Tennis - ein beliebter Seniorensport
Tennis ist eine der beliebtesten und auch geeignetsten Sportarten im Alter, allerdings nur, wenn man sie „altersgerecht" ausübt und sich selber nicht überfordert
Tennis war früher auch ein ausgesprochener Nobelsport, ein Sport der Aristokraten und gar der Könige. So war der schwedische König Gustav V. (1858 - 1950) ein leidenschaftlicher Tennisspieler, spielte bis ins hohe Alter und nahm unter dem Pseudonym "Mr. G." sehr häufig an Tennisturnieren teil.

Markus Pfister
Weshalb ist Tennis so beliebt als Sport im Alter? Wir fragten dies Markus Pfister (1944), selbst noch aktiver Tennisspieler, Sportlehrer ETS Magglingen, diplomierter Tennislehrer, Geschäftsführer von Senior Swiss Tennis und Leiter der Geschäftsstelle von Bernsport, der Vereinigung Bernischer Sportvereine.
Seniorweb: Weshalb ist Tennis bei älteren Menschen besonders beliebt und auch gut geeignet?
Markus Pfister: Tennis ist ein Sport, der bis ins hohe Alter (bis 90 !) gespielt werden kann. Es gibt sogar Weltmeisterschaften für 85-Jährige, aber ungefähr ab 50 Jahren wird Tennis mehrheitlich im Clubrahmen betrieben. Vorwiegend spielt man Doppel, und die Belastung ist dank den relativ kurzen Ballwechseln und vielen Pausen nicht sehr hoch. Da Tennis eine technische Sportart ist, können ältere Spielerinnen und Spieler auf ihr langjährig erworbenes technisches Rüstzeug bauen. Wichtig ist vor allen auch das Gesellschaftliche. Oft spielen Grossmütter und Grossväter mit ihren Enkeln. Tennis beginnt man heute schon ab 6 Jahren.
Bleiben viele Tennisspieler dem Sport bis ins hohe Alter treu oder gibt es auch Damen und Herren, die spät mit diesem Sport anfangen?
In der Regel spielt man Tennis recht lange, sofern man keine körperlichen Beschwerden hat. Nach 30 bis 40 Jahren Tennis spielt man einfach etwas weniger, einige wechseln auch zum Golf. Anderseits wechseln viele Sportler anderer Sportarten so ab 40 Jahren zum Tennis, da z.B. Fussball schon aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausgeübt werden kann. Im Tennis braucht es keine Mannschaft, sondern man kann zu zweit oder zu viert spielen. Dank guten Schulungsangeboten, z.B. auch von der Pro Senectute, gibt es viele Einstiegs- und Schulungsmöglichkeiten. Viele der heute aktiven Turnierspieler, die älter als 60 sind, haben relativ spät mit Tennis begonnen und sind deshalb noch hungrig.
Gibt es überhaupt Altersgrenzen oder kann man so lange spielen wie man körperlich fit ist?
Es gibt keine Altersgrenze. Tennis kann deshalb als grosse Seniorensportart betrachtet werden. Meistens gibt es in den Tennisclubs grössere Seniorengruppierungen. Man spielt so lange, wie man Lust hat und auch noch laufen (spazieren) kann. Wichtig ist, dass man gleichaltrige Spielpartner oder Spielpartnerinnen hat.
Im Alter Tennis wird man allerdings nicht so wie Rafael Nadal (Krafttennis!) spielen können, sondern „altersgerechter". Was heisst das konkret?
Tennis ist keine Kraftsportart, sondern kann ja schon mit 6-8 Jahren gespielt werden. Da braucht es nur gute Bewegungen und Schwung. Im Spitzensport hat natürlich die Athletik massiv Einzug gehalten. Aber Roger Federer und früher auch Martina Hingis zeigen ja, wie ökonomisch auch auf höchster Ebene gespielt werden kann.
Belastet aber Tennis nicht den Körper einseitig und bedarf deshalb eines Ausgleichssportes?
Da Tennis mit wenig Kraft gespielt wird, ist die einseitige Belastung relativ gering. In der Ausbildung wird darauf geachtet, dass keine Fehlbelastungen eingeübt werden. Natürlich wird empfohlen, sich jeweils gut aufzuwärmen und auch auszulaufen. Nur übertriebenes Trainieren kann zu Überlastungen wie z.B. zu einem Tennisarm führen.
Wie viele ältere Tennisspieler (über 55) gibt es in der Schweiz und wie viele bestreiten noch Wettkämpfe?
In der Schweiz gibt es schätzungsweise 250'000 Tennisspielerinnen und Spieler. Etwas 40'000 davon sind wahrscheinlich über 55 Jahre alt. Lizenzierte Spieler gibt es 55'000. Davon sind ca. 20'000 im Seniorenalter (ab 45+). Dank dem schweizerischen Klassierungsreglement können Senioren und Veteranen bis ins höchste Alter aktiv Turniere spielen, da es Turnierangebote in den entsprechenden Alters- und Leistungsgruppen gibt.
Während Kids aus reinem Spieltrieb und aus echter Spielfreude dem Ball nachrennen, wirken ältere Tennisspieler häufig verkrampft und überehrgeizig. Besteht daher nicht die Gefahr, dass Wettkampftennis im Alter zu übertriebenem Ehrgeiz, zu Verbissenheit oder gar zur Einnahme von stimulierenden Mitteln führt?
Wie in allen Sportarten gibt es auch im Tennis ehrgeizige Spieler. Da es aber vor allem vom technischen Rüstzeug abhängt, wie stark ein Spieler ist und auch keine Körperkontakte möglich sind, ist die Verbissenheit eher gering. Tennis ist vor allem ein Spiel, und die Freude über schöne Schläger überwiegt, auch wenn man am Schluss verliert. Die Turniergewohnheiten - jeder Verlierer scheidet aus - bringt es mit sich, dass die Tennisspieler eben Niederlagen gewöhnt sind. Im höheren Alter spielt vor allem die Fitness eine Rolle, denn ein Wettkampfspiel kann 90 bis 120 Minuten dauern.
Seit 10 Jahren gibt es einen eigenen Verband für Tennis-Seniorinnen und Senioren, nämlich Senior Tennis Swiss. Was bezweckt dieser Verband? Anzahl Mitglieder? Aktivitäten?
Man kann die Senioren-Tennisspieler in etwas 6 Gruppen einteilen. Zuoberst (Gruppe 6) sind die international tätigen Spieler, da gibt es verschiedene Schweizerinnen und Schweizer, die in der Weltbestenliste (pro Alterskategorie) aufgeführt sind. Gegenwärtig haben wir bei den 60Jährigen mit den früheren Spitzenspielern René Bortolani und Petr Kolacek eine Elitemannschaft, die an der Mannschaftsweltmeisterschaft schon mal die Silbermedaille gewonnen hat. Die 5. Gruppe umfasst die national tätigen Spieler. In der 4. Gruppe befinden sich die regionalen und lokalen Wettkampfspieler, die noch lizenziert sind.
Die mit Abstand grösste Gruppe 3 umfasst die Seniorinnen und Senioren, die früher mal an Turnieren teilgenommen haben, aber heute nur noch im Club und vorwiegend Doppel spielen. In der 2. Gruppe befinden sich die Spieler, die noch nicht lange Tennis spielen und einfach des Spiel mit Gleichgesinnten geniessen oder daran sind, ihre Technik zu verbessern. Die 1. Gruppe umfasst Anfänger und Fortgeschrittene, die ausserhalb des Tennisplatzes, z.B. in Turnhallen, vorwiegend Minitennis mit dem Schaumstoffball spielen. Solche Angebote werden an verschiedenen Orten von der Pro Senectute organisiert.
Die Interessengemeinschaft SENIOR TENNIS SWISS betreut vor allem die Gruppen 5 und 6, d.h. die aktiven Turnierspieler. Dank den Informationen über nationale und internationale Turniere hat sich diese Interessengemeinschaft sehr gut entwickelt und umfasst heute ca. 500 Mitglieder.





